Sie kümmern sich um das Bild des Waldes, klären auf und sorgen für Ordnung. Seit August setzt die Bürgergemeinde Naturranger ein. Ein Streifzug.
Da liegt schon Müll am Waldrand. Keine 20 Meter ist Daniel Lopez auf seinem Rundgang durch das Naturschutzgebiet in der Verenaschlucht unterwegs. Direkt neben einem Abfalleimer liegen alte Bücher in einem vom Regen aufgeweichten Papiersack.

Lopez ist als Ranger Teil der Organisation Natur Ranger, die der Bürgergemeinde Solothurn angegliedert ist. Er ist regelmässig in der Verenaschlucht unterwegs – so auch heute. Die Einsätze werden je nach Situation und Bedarf vom Forstbetrieb der Bürgergemeinde geplant, oft auch kurzfristig. Das Beispiel mit dem Abfall am Waldrand zeigt auf, weshalb die Bürgergemeinde in ihrem Wald solche Ranger einsetzt. «Der Wald wird nicht mehr gleich respektiert, wie das vielleicht früher der Fall war», sagt Lopez.
Die Ranger kommen überall dort zum Einsatz, wo im Wald ein Nutzungskonflikt entstanden ist. Also dort, wo schützenswerte Vogelarten brüten, oder der Wald auf eine bestimmte Art erhalten werden soll. Der Konflikt entsteht fast in allen Fällen durch uns Menschen, die den Wald als Erholungs- oder Freizeitgebiet nutzen.
Vermittler, nicht Aufpasser
«Wir suchen, wenn immer möglich, den Kontakt zu den Menschen», sagt Lopez über seine Aufgabe. Wir, das sind er und der Förster der Bürgergemeinde Solothurn, Alois Wertli. Lopez selbst arbeitet ebenfalls im Forstbetrieb der Bürgergemeinde, als Forstwart.
Gut zehn Prozent ihrer Arbeitszeit wendeten er und sein Kollege für die Tätigkeit als Ranger auf, sagt Lopez. Naturranger ist eine Berufsbezeichnung, die in der Schweiz immer öfter auftaucht. Beispielsweise setzt der Naturpark Thal Ranger ein , oder sie sorgen in der Witi für Ordnung . Sie räumen Abfall weg, unterhalten Wald und Wege und treten eben, wann immer nötig, mit den Waldnutzenden in Kontakt.
Polizeibefugnisse haben sie hierbei jedoch keine. «Wir können die Polizei benachrichtigen, aber wenn sich jemand quer stellt, können wir nichts machen», sagt Lopez. In neun von zehn Fällen stosse er allerdings auf grosses Interesse oder viel Verständnis. «Ich sehe mich nicht als Polizist, sondern als Vermittler zwischen den Anliegen des Waldes und dessen Nutzern.»

Mehr als ein Ranger
Der Auftritt des Rangers wirkt auf die Familie im Eingangsbereich der Verenaschlucht, wie die Autoscheinwerfer auf ein Reh. Die Mutter zieht ihren Sohn an der Hand vom kleinen Bächlein weg und der Vater lässt den Fotoapparat verschwinden. Das sei einer der Vorteile seiner Uniform, sagt Lopez. «Mit einem einfachen T-Shirt, das manchmal angenehmer zum Tragen wäre, hätte ich nicht denselben Auftritt». Da ist er sich sicher. Dann gehts weiter, tiefer in die Schlucht.
In der Verenaschlucht liegen immer wieder kleinere Äste am Boden. Erst am Samstag wütete hier ein Sturm, das ist offensichtlich. In der Einsiedelei trifft der Ranger auf den Einsiedler Michael Daum. Eine freundschaftliche Begrüssung.
Bei ihrem Gespräch geht es um Ferien und das Wetter, den Sturm vom vergangenen Samstag. Auf dem Parkplatz vor dem Restaurant Einsiedelei sei ein Baum gefallen, berichtet der Einsiedler. Für Lopez ein klarer Fall: «Das waren diese Fallwinde vom Berg her: der Joran.» Dem Einsiedler ist die Dankbarkeit ob des Auftretens des Rangers anzumerken.
Beim Parkplatz angekommen, ist Lopez schnell klar: Dieser Baum muss weg. Digital ist der Forstbetrieb sehr gut aufgestellt. Lopez nimmt die Schäden an den Bäumen über eine App auf. Sie werden sogleich mit einem Foto und den genauen Koordinaten gespeichert. Ein Vermerk weist auf eine noch zu erledigende Arbeit hin.
Jeder Schweizer Wald ist wie ein Nationalpark
Sein Rundgang führt Lopez auf die Martinsfluh, einen schmalen und leicht ausgehöhlten Wanderweg empor. Die Steine auf dem Weg sind rundlich aberodiert. «Bei starken Regenfällen ist dieser Weg ein Bachbett.» Bei den Wegen überschneiden sich die Zuständigkeiten. Denn für den Unterhalt wären eigentlich die Solothurner Wanderwege zuständig.
Aber sie als Ranger spielten gerade in der Einsiedelei und der nahen Umgebung eben auch eine Rolle in der Pflege der Wege. Und ein Sanierungsprojekt dieses Weges müsse vom Forstbetrieb und den Wanderwegen zusammen gestemmt werden.

Genau so bei den unzähligen Bäumen und Ästen, die aufgrund des Sturmes auf die Wanderwege ob der Verenaschlucht gefallen sind. Einer davon blockiert den Aufstieg auf ein Hochplateau, wo Lopez einige Feuerstellen kontrollieren will. Aber das viele Fallholz lässt ihn den Plan ändern. «Ich werde am Nachmittag hier aufräumen.»
Sturmholz, sagt Lopez, sei für die Forstbetriebe mit Ertragseinbussen verbunden. Denn dieses Holz könne oft nicht zu Top-Preisen verkauft werden, zähle aber zur gesetzlich verankerten Maximalmenge an Holz, das in einem Gebiet pro Jahr geschlagen werden darf.
«Im Geschäft mit Nutzholz darfst du froh sein, wenn am Ende eine schwarze Null dasteht», sagt Lopez. Der Wald ist eben im Wandel. Die wirtschaftliche Nutzung nimmt ab und die Nutzung für die Freizeit nimmt zu. «So wie wir unseren Wald standardmässig pflegen, behandeln sie im nahen Ausland nur die Nationalpärke.»
Von Jägern und Bikern
In einem geschützteren Teil des Waldes ist der Weg nicht von Bäumen versperrt, aber mit Gruben und Erdhaufen übersät. «Das müssen Wildschweine gewesen sein», sagt Lopez. Mit ihnen kommt eine weitere Anspruchsgruppe an den Wald hinzu: Die Jäger.
Sie sind mit einer wichtigen Aufgabe betraut, die Wahrung der Wildbestände. «Jägerinnen und Jäger nutzen den Wald nicht nur, sondern helfen uns auch», sagt Lopez. «Und sie bezahlen noch dafür.»
Nichts für die Nutzung des Waldes bezahlen indes die Mountainbiker. Die gesetzliche Grundlage verböte ihnen die Durchfahrt durch nicht ausgeschiedene Wälder. Lopez biegt auf einen kleinen Pfad ab, der talwärts führt. Vor einem Baumstrunk ist ein Erdwall aufgeschüttet und seitlich mit Knebeln befestigt: Eine Schanze: Marke Eigenbau.
«Die Durchfahrt der Biker dulden wir in unseren Wäldern, obwohl sie streng genommen gesetzeswidrig wäre, auch weil der Austausch sehr gut funktioniert.» Aber diese Schanze müsse wohl weichen. In den kommenden Tagen trifft sich Lopez mit der IG Mountainbike, um das Erstellen genau solcher Schanzen zu besprechen.
Am Ende des Pfads ist der Boden wieder von Gruben durchzogen. Diesmal vom Menschen gemacht. Der Mountainbiker musste wohl stark bremsen.

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