Ein Spaziergänger aus Rüttenen wirft dem Forstbetrieb der Bürgergemeinde Solothurn vor, im Nierenwäldli rücksichtslos gewirtschaftet zu haben. Die Forstbetriebe der Bürgergemende zeigen Verständnis und ordnen ein.

Der Boden ist wie umgepflügt, Äste halb unter der Erde begraben und es herrscht stille. Wir sind im Nierenwäldli zwischen Langendorf und Rüttenen. Keine 300 Meter nördlich, im Fallerenhölzli zwitschern munter Amseln, der Boden ist von saftigem Grün bedeckt.
Was mag hier los sein? Die Antwort ist für Hansjörg Ryser aus Rüttenen eine einfache. Die Holzereiarbeiten der Bürgergemeinde Solothurn hätten der Idylle im Nierenhölzli ein Ende gesetzt. Er wendet sich Anfang März mit einem Brief, in dem er die Lage im Nierenhölzli aus seiner Sicht, derjenigen eines Spaziergängers und Waldmitnutzers beschreibt, an diese Zeitung.
Zwischen Rüttenenstrasse und Oberer Steingrubenstrasse: Das Nierenwäldli
Darin steht: «Seit Tagen wüten die Waldarbeiter der Bürgergemeinde Solothurn mit ihren Motorsägen und schwerem Gerät. Das Unterholz ist ausgedünnt, die Baumwurzeln und Myzelien von den Maschinen zerstört und der Weg kaum noch passierbar.» Das Naturparadies, das aus seinen Augen im Nierenhölzli herangewachsen war, zerstört.
Sicherheitsholzung der Bürgergemeinde
Dass die Bürgergemeinde Solothurn, der der Wald gehört, Sicherheitsholzungen durchführen wird, war bekannt. Doch Gyser bemängelt die Qualität der Arbeiten: «Entlang der Hauptstrasse stehen immer noch Eschen, welche von der Welke schon arg gezeichnet sind, und eine teils bereits gekippte Erle, welche nur noch von den benachbarten Bäumen gestützt wird.»
Nun, da der Wald «arg ausgedünnt sei», seien besagte Bäume stürmischen Westwinden ausgesetzt und dürften wohl erst recht zur Gefahr werden, sorgt sich Ryser. Die Forstbetriebe hätten sowohl in der Bevölkerung als auch bei Ryser selbst grosse Sympathie und Achtung genossen. «Doch mit dem respektlosen Vorgehen in der Waldnutzung hat diese Reputation so stark gelitten wie die viel gepriesene und unbestritten wichtige Biodiversität im Nierenwäldli.»
Ob sowas denn noch unter dem viel genannten Deckmantel der Nachhaltigkeit laufe, fragt Ryser in seinem Brief rhetorisch. Der Wald gehöre nicht dem Forstbetrieb oder der Bürgergemeinde allein. Er werde ihnen von der Natur vorübergehend zur Hege und Pflege anvertraut.
Was aber sagt die gescholtene Bürgergemeinde dazu?
Das Wetter hat die Arbeiten erschwert
«Wir verstehen, dass das Waldbild nach einem Eingriff für viele Menschen irritierend oder belastend wirken kann», sagt Alain Imoberdorf, Förster und stellvertretender Betriebsleiter beim Forstbetrieb der Bürgergemeinde Solothurn. Es sei ihm wichtig, fachlich fundiert auf die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger einzugehen.
Die Arbeiten im Nierenwäldli dienten in erster Linie der Verkehrssicherheit entlang der angrenzenden Hauptstrasse. Insbesondere die Eschen seien durch eine Krankheit, die sogenannte Eschenwelke, geschwächt, sagt Imoberdorf. Bei Sicherheitsholzereien würde jeder Baum einzeln visuell beurteilt und dessen Stabilität in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Kreisforstamt überprüft.
Die Sicherheitsmassnahmen entlang der Strasse, sagt Imoberdorf, seien im Nierenwäldli mit anderen Arbeiten kombiniert worden. Darunter auch die Holzernte und Förderung von Mischbaumarten.
Feind: Klimawandel
Für die Holzernte benötigen die Förster grosse Maschinen. Und diese hinterlassen Spuren am Waldboden. Der Klimawandel hilft da auch nicht: «Aufgrund der ausserordentlich nassen Witterung sind die Spuren und die Schäden an den Forststrassen derzeit stärker sichtbar als üblich», sagt Imoberdorf.
Die meteorologischen Rahmenbedingungen hätten sich in den letzten Jahren verändert. Es gebe kaum noch stabile Frostperioden, in denen im Wald gearbeitet werden könne, ohne den Boden zu stark zu beeinträchtigen.
Dennoch: den Wald so zu hinterlassen. Das entspreche nicht dem Anspruch des Forstbetriebs Solothurn, sagt Imoberdorf. Und: «Ich kann gut nachvollziehen, dass sich viele Waldbesuchende über das aktuelle Waldbild erschrecken.» Und dieser Tage sei ein Team im Nierenwäldli dran, den Wald etwas auf Vordermann zu bringen.

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