Seit zehn Jahren gibt es die Solothurner Skimarke Mach. Alex Maienfisch erzählt, warum Diebe seine Ski nicht stehlen, über die Nachhaltigkeit von Skihallen und wie eine amerikanische Fastfoodkette den Skibau in Solothurn ermöglichte.
In einem kleinen Pavillon auf dem Attisholz-Areal designen, planen und schleifen die Leute um Alex Maienfisch Ski. Gepresst werden die Ski in Italien, in einer Firma, in der sonst nur Rennskis gebaut werden. Alex Maienfisch steht seit zehn Jahren hinter der Marke. Er vergleicht seine Ski mit Craft-Beer.

Sie sind Solothurner: Was hat ein Flachländer im Ski-Business verloren?
Alex Maienfisch: Es stimmt, Skis von einem Flachländer zu kaufen, klingt abwegig. Aber Skifahren und die Berge gehören zu mir, seit ich ein kleiner Bub bin. Meine Eltern hatten in Wengen eine Ferienwohnung und bis ins Teenageralter war ich dort Mitglied des Skiklubs und fuhr Rennen.
Der Name Mach Ski ist ungewöhnlich. Woher kommt er?
Was für ein Gefühl willst du beim Skifahren? Fragte ich mich damals und versuchte den Ski zu kreieren, den ich gerne fahren möchte. Ich will fliegen, mag die Geschwindigkeit. Die Mach-Zahl beschreibt die Geschwindigkeit, mit der ein Jet unterwegs ist, wenn er genauso schnell ist wie der Schall. Darum heissen unsere Skis Raptor oder Falcon. Sie sind nach Jets benannt.
Wären Sie gerne Pilot geworden?
Nein, aber die Geschwindigkeit zog mich schon immer an. Als junger Mann wollte ich die Welt sehen. Nach meinem Marketing-Studium arbeitete ich in Deutschland bei Audi. Ich war zusammen mit einem Arbeitskollegen der einzige Schweizer. Und später war ich in Zürich bei Peugeot.

Autos, Jets und Rennskis: nicht gerade die nachhaltigste Kombination.
Ich gebe es zu, bei diesen Themen scheiden sich die Geister. Ich selbst habe meine politische Haltung, trage die aber nicht nach aussen. Darum mag ich den Skisport. Auf der Piste geht es um die Kurvenradien der Ski, nicht um Politik oder das Weltgeschehen.
Kann man denn Sport und Politik trennen?
Ich finde ja. Wir spenden alte Ski, die die Kunden nicht mehr brauchen, an ein Skigebiet im georgischen Kaukasus. Dort fahren Türken, Israeli und Russen Ski. Aber sie fahren eben Ski und machen keine Politik. Solche Rückzugsorte braucht es.
Mir war es schon immer wichtig, etwas zu tun, wofür ich brenne und wo ich meine Leidenschaft ausleben kann. Diese Leidenschaft habe ich mit der Skimarke gefunden. Als sich die Möglichkeit auftat, musste ich sie packen.
Wie kam es dazu?
Zu dieser Zeit gehörte mir zusammen mit einem Geschäftspartner ein Brillengeschäft im Zürcher Bahnhof, wir waren Franchiser. Bis eines Tages die amerikanische Fastfoodkette Dunkin Donuts anklopfte und unseren Mietvertrag übernehmen wollte. Der Erlös daraus verschaffte mir vor zehn Jahren das finanzielle Polster, das es ermöglichte, Mach Ski zu gründen. Jetzt bin ich um etliche gute Geschichten reicher.
Erzählen Sie.
Eine meiner Lieblingsgeschichten handelt davon, warum Diebe unsere Ski nicht mögen. Ein Kunde war in den Österreicher Alpen in den Ferien, als im Hotel der Skiraum ausgeräumt wurde. Da war alles weg, Rübis und Stübis. Nur an derselben Stelle, wo er sie am Abend zuvor hingestellt hatte, standen noch die Mach-Ski meines Kunden.
Nicht weil sie von schlechter Qualität, oder von den Dieben als hässlich empfunden worden wären. Sondern, weil solche Nischenski im Verkauf oder am Zoll zu viel Aufsehen erregen würden und wir alle Ski mit der Seriennummer genaustens zurückverfolgen können.
Diebstahlsicherheit ist das eine, aber weshalb soll jemand Ihre Ski kaufen, wenn die grossen Marken günstiger sind?
Unsere Ski kauft man nicht, weil man muss. Sondern, weil man will. Ich vergleiche es manchmal mit dem Aufkommen der vielen verschiedenen Craft-Beer Marken. Es gehört ein bisschen zum Lifestyle. Man trinkt eben ein spezielles Bier, oder fährt einen speziellen Ski, in dem Handarbeit und Leidenschaft steckt. Am besten stehen noch Leute aus der Region dahinter.
Die, die sie sich leisten können.
Seien wir ehrlich: Wer Ski fährt, ist privilegiert. Das ist mir bewusst. Mein Geschäft ist Spass – und Spass ist im Grunde genommen ein Privileg. Die Leute, die meine Ski kaufen, müssen sich fragen: will ich es mir leisten noch mehr Spass zu haben? Oftmals ist die Antwort ja.
Aber der Markt ist hart. Die Stimmung unter den konkurrierenden Firmen so: «Wenn ich einen Ski verkaufe, verkaufst du einen weniger».

Denken Sie daran, auszusteigen?
Nein. Niemals. Es läuft ja. So hart der Markt ist, wir kleinen Marken kommen.
Der Klimawandel hängt über Ihrer Branche, wie ein Damoklesschwert. Wie spüren Sie ihn?
Es beginnt im ganz kleinen. Seit Jahren schon wollen wir auf dem Balmberg Skitests durchführen. Weil es immer weniger Schneetage gibt, ist die Terminfindung äusserst schwierig. Allgemein nimmt die Zahl der Skigebiete ab. Nur die grossen können flächendeckend beschneien.
Gerade nachhaltig ist das Beschneien ganzer Hänge nicht.
Das ist wahr. Allerdings kann mittels Snowfarming recht viel herausgeholt werden. Der Schnee wird in den Skigebieten in die Höhe an ein schattiges Plätzchen verfrachtet und dort über den Sommer zugedeckt liegen gelassen. So fliessen nur etwa 15 Prozent der Schneemenge ab. Sobald es kalt genug ist, wird der Schnee verteilt. Der wenige Neuschnee bleibt dann besser liegen.
Das ist doch alles andere als natürlich!
Skifahren wird elitärer und wir müssen uns als Gesellschaft fragen, wofür wir bereit sind, Geld auszugeben.
Es gäbe ja auch noch die Möglichkeit von Skihallen.
Auch das ist nicht so unnachhaltig, wie es klingt. Eine solche Halle würde jährlich etwa doppelt so viel Energie verbrauchen, wie das Sportzentrum Zuchwil. Diese Anlagen werden ja auch nicht hinterfragt. Eine Halle könnte für die lokalen Skiclubs ein grosser Vorteil sein. Schulen würden davon profitieren. Ich bin überzeugt: Damit hätte man Erfolg.
Dann käme der nächste Odermatt vielleicht aus Solothurn?
Wer weiss.
Apropos Odermatt: Wer wird der erste Markenbotschafter für ihre Ski?
Wir waren mit Marc Berthod in Kontakt, aber noch bevor er Ski-Experte bei SRF wurde. Jetzt ist sein Name zu gross und Head hat ihn uns weggeschnappt. Auch Didier Cuche, Carlo Janka oder Didier Defago haben leider immer noch laufende Markenverträge.

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