Dieser Schweizer hat Tadej Pogacar zum Seriensieger gemacht – doch seine Vergangenheit stinkt nach Doping

Mauro Gianetti war fast tot – heute dominiert er die Tour mit Millionen aus den Emiraten. Der Schweizer, der einst mit Dopinggerüchten kämpfte, hat mit TadejPogacar nicht nur den besten Radfahrer der Gegenwart gefunden, sondern auch sein Vermächtnis geschaffen.

Slovenia's Tadej Pogacar of the UAE Team Emirates URG team after crossing the finish line to win the Belgian cycling classic and UCI World Tour race Liege Bastogne Liege, in Liege, Belgium, Sunday, April 27, 2025. (AP Photo/Geert Vanden Wijngaert)

Wenn Pogacar gewinnen will, bringt Jonas Vingegaard selbst die beste Taktik nichts. Der Eindruck, den Tadej Pogacar während dieser Tour auf den Bergetappen vermittelte, ist der eines Vaters, der seinen Buben auf der Ausfahrt im Glauben lässt, er hätte eine Chance, ihn zu bezwingen.

Immer und immer wieder neutralisierte Pogacar jeden Angriff des Dänen. Und musste dabei nicht mal aus dem Sattel. Es ist die Manifestation purer Dominanz.

Mit jedem Erfolg des Slowenen nähert sich der Teammanager von UAE seinem Ziel: die beste Mannschaft im Radsport zu werden und damit sein Vermächtnis zu schaffen. Dieser Mann, über den der Tourdirektor Christian Prudhomme mal sagte, er sei von «schlechtem Ruf», ist Mauro Gianetti, ein Schweizer.

Die ersten Zweifel

Mauro Gianetti war ein solider Bergfahrer und Puncher, der immer wieder gute Resultate bei den italienischen Herbstklassikern erzielte. Doch auf der höchsten Stufe bleiben dem Mann aus Lugano die Erfolge verwehrt.

Mauro Gianetti (Team Coast) anlässlich dem 1. Rad-Classiques Bremgarten vom 3. August 2001.

Die kamen erst 1995, als 31-Jähriger. Er gewinnt das Amstel Gold Race und Lüttich–Bastogne–Lüttich. Ein Jahr später wird er an der Weltmeisterschaft zu Hause in Lugano Zweiter.

1998 ist das Jahr der ersten grossen Kontroverse rund um Gianetti. Beim Aufstieg zum Col des Planches auf der dritten Etappe der Tour de Romandie steigt Mauro Gianetti von seinem Rad, verschwindet im Besenwagen und wird ins Spital eingeliefert.

Vom Spital in Martigny wird Gianetti ins Universitätsspital in Lausanne verlegt, sein Zustand ist kritisch. Die Ärzte versetzen ihn in ein künstliches Koma und können so sein Leben retten. Was ist passiert? Grund für seinen Zusammenbruch sei eine allergische Reaktion gewesen, sagt Gianetti nach dem Vorfall.

Aber zwei Ärzte des Universitätsspitals Lausanne, die nicht direkt mit seinem Fall zu tun hatten, widersprechen. Im Juli 1998, kurz nachdem die Festina-Affäre die Tour de France erschütterte, sagen sie, Gianetti habe Perfluorcarbon (PFC) injiziert, eine Substanz, die es dem Blut ermöglicht, mehr Sauerstoff zu transportieren.

Nach Zahlungsbefehlen in der Höhe von 3 Millionen Franken von Gianettis Anwälten verpflichteten sich die beiden Waadtländer Ärzte zu schweigen, wie Radio France in einer Recherche herausfand.

«Der Manager ist ein Mann von schlechtem Ruf»

2002 beendete er seine Karriere. Zwei Jahre später gründete er die Mannschaft Saunier Duval zusammen mit Joxean Fernandez Matxin, mit dem er auch jetzt bei UAE zusammenarbeitet. 2008 sollte das Team nach der Festnahme des Fahrers Ricardo Ricco wegen Dopings aus der Tour de France aussteigen.

Matxin und Gianetti distanzierten sich von den Praktiken ihrer dopenden Fahrer und entliessen Ricco und Leonardo Piepoli aus dem Team. Drei Jahre später gewinnt das Team unter neuen Sponsoren die Vuelta. Der Sieg wird dem Spanier Juan Jose Cobo aber aberkannt – wegen Dopings. Die Führung des Teams ist die alte.

Der Aufbau eines Imperiums

«Er würde dir die Unterhosen geben, wenn es darauf ankommt», sagt einer, der Gianetti seit Jugendtagen kennt – «aber am Verhandlungstisch kennt er keine Freunde.» Diese Härte, gekoppelt mit einem enormen Verkaufstalent, ist es, was den Tessiner auszeichnet.

Als die italienische Mannschaft Lampre-Merida 2016 ihre World-Tour-Lizenz verlor, holte Gianetti durch Hintertürkontakte über den Sportminister der Emirate das arabische Königshaus als Sponsor an Bord.

Ein Husarenstück. Denn so kommt der Tessiner, der den Radsport-Olymp erklimmen und als Erschaffer der besten Mannschaft aller Zeiten sein Vermächtnis zementieren will, zu nahezu unlimitierten Ressourcen. Im Gegenzug verspricht er dem arabischen Königshaus Erfolg beim grössten Radrennen der Welt.

Radsport, Amstel Gold Race Herren, 20.04.2025 Mauro Gianetti SUI, Teammanager UAE Team Emirates - XRG und Tadej Pogacar SLO, UAE Team Emirates - XRG Berg en Terblijt Limburg Niederlande *** Cycling, Amstel Gold Race Men, 20 04 2025 Mauro Gianetti SUI, Team Manager UAE Team Emirates XRG and Tadej Pogacar SLO, UAE Team Emirates XRG Berg en Terblijt Limburg Netherlands Copyright: xMarcelxHilgerx

Aber im Gesamtklassement hapert es. Einzig Alexander Kristoff holt in den Anfangsjahren des Teams Erfolge bei Eintagesrennen und Halbklassikern.

Der Entdecker Pogacars hat eine Dopingvergangenheit

Doch dann nimmt Gianetti dank des slowenischen Scouts und Trainers Andrej Hauptmann das Jahrhunderttalent Tadej Pogacar unter Vertrag. Und mit ihm den Mann, der Gianettis Versprechen bei den Scheichs einlösen kann.

Hauptmann, der einst gesperrt wurde, weil seine Werte Blutdoping nahelegten, wechselt als sportlicher Leiter zu UAE und ist ein steter Begleiter des slowenischen Wunderkinds.

Pogacar steht bei UAE bis 2030 unter Vertrag, und es stellt sich die Frage, wieso der charmante Botschafter des modernen Radsports sein Schicksal an jenes dieser zwielichtigen Männer kettet.


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Emil Rohrbach